12. März

Ciao Natal. Mehr als drei Tage Weihnachten hält man meist nicht aus und auch für die Stadt, die sich ihren Namen vom alljährlichen Winterfest entliehen hatte, reichten drei Tage völlig aus, um zumindest für ein Jahr genug davon zu haben. Also flogen wir weiter ins nur zwei Flugstunden entfernte Salvador de Bahia – immerhin eine ehemalige Hauptstadt Brasiliens und daher vermutlich reich an Kultur und Geist.

Ein Stückchen Salvador aus der Luft

Ein Stückchen Salvador aus der Luft

Elegant verrannt

„Einen schönen Flughafen haben sie, die Baianos“, war mein erster Gedanke, als ich meinen Fuß auf den von der Kultur Afrikas stark geprägten Boden Salvadors setzte. Das Terminal konnte durchaus mit europäischen Verhältnissen konkurrieren, nur die klapperigen Gepäckwagen zeugten davon, dass man hier (noch) nicht mit deutscher Akribie und „push the handle to move“-Innovationen zu Werke ging. Dafür war die Umgebung des salvadorischen Flughafens deutlich ansprechender als die eines Rhein-Main-Airports: Auf unserem Weg in Richtung Hotel fuhren wir unter einer riesigen Bambus-Allee hindurch. Die exotischen Gewächse ragten nicht senkrecht in die Höhe, sondern hatten sich (bzw. wurden) an ihren Spitzen kunstvoll zu einem riesigen Bambusdach zusammengebogen, das kühlen Schatten spendete.

Der Weg zum Hotel war jedoch länger als jede erdenkliche Bambusallee und als wir das Flughafengebiet verlassen hatten und durch einen Teil der Stadt fuhren, offenbarte sich, dass auch Salvador vom Schicksal ehemaliger Hauptstädte nicht verschont geblieben war: Viele Stellen erinnerten mich mehr an eine riesige Favela als an ein früheres Wirtschafts- und Kulturzentrum –  verfallene Geschäfte, fehlende oder zerstörte Bürgersteige und Bauruinen „zierten“ dort das Straßenbild. Gleichzeitig aber auch viele Neubauten sowie hübsche und weiß angestrichene Häuschen. Der Knaller sollte aber unser Hotel sein. Von außen noch recht unscheinbar, offenbarte unser Zimmer im 12. Stock des „Bahia Othon“ einen prächtigen Blick auf das Meer und den in einiger Entfernung liegenden Strand, die „Barra“, mitsamt Leuchtturm.

Meer, ganz viel Meer! Blick vom Hotelzimmer im 12. Stock

Meer, ganz viel Meer! Blick vom Hotelzimmer im 12. Stock

Da wir uns als massiv freizeitbehaftete Studenten im Hotel außerhalb jeglicher Feriensaison eingebucht hatten, konnten wir unser Zimmer schon um 11.00 Uhr statt wie vorgeschrieben um 15.00 Uhr beziehen. Dafür hatten wir den Carnaval um einen Tag verpasst, der in unregelmäßigen Abständen in Salvador über das ganze Jahr gefeiert wird und für den die Bahia in ganz Brasilien berühmt ist.     

Erkundungshungrig und trotz eines massiven Schlaf- und Nahrungsmangels machten wir uns gleich nach dem Einchecken im Hotel auf den Weg in das historische Zentrum Salvadors. Laut Touristeninformation sollten dort atemberaubende Bauwerke sein, ebenso wie freundliche Menschen und Aufzüge, die den Besucher von der Unter- in die Oberstadt transportierten. Das muss man gesehen haben, dachten wir uns. Außerdem lockten nach „getaner Arbeit“ sowohl Pool als auch glasklares Meerwasser.

Wo bitte geht’s hier zum Ausgang?

Unsere City-Tour war, um es gleich vorweg zu nehmen, ein Reinfall. Vielleicht pflegten die Baianos ihr historisches Erbe nur während der Hauptsaison. Was uns jedenfalls erwartete, waren aggressive Bettler, dreiste Abzocker(innen) und wenig ansprechend aussehende Besichtigungspunkte. Dennoch gaben wir der Stadt eine Chance – vielleicht brauchte man ja nur einen Führer. Gerade Deutsche schätzen diesen, vor allem, wenn sie ansonsten recht planlos und in einer aussichtslosen Situation sind. Also fragten wir einen Führer, was er uns denn an der Stadt zeigen könnte und wie viel er kosten würde. „Na ja“, nuschelte dieser auf Portugiesisch, „da guckt man sich halt so ein paar Museen an“. Aha. Mehr Kompetenz und Enthusiasmus konnte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht vorstellen. Was er denn kosten würde, fragten wir (bzw. Nina) ihn. „Na ja“, sagte er im gleichen Tonfall, „85 R$ für jeden würde es schon kosten“. Das war ziemlich viel für einen Städteführer. Zu viel für einen von dieser Art. Wir lehnten ab und sahen zu, dass wir Land gewannen.  Das einzige, was wir intensiv und in kurzer Zeit hintereinander nutzten, war der riesige Aufzug – erst, um in die „historische“ Oberstadt zu kommen und dann, um schnell wieder herunterzukommen und dem Geschehen mit einem Bus zu entfliehen. 

Eine seltsame Oberstadt links, eine komische Unterstadt rechts und... zu viel Himmel!

Eine seltsame Oberstadt links, eine komische Unterstadt rechts und... zu viel Himmel!

Spielen mit/auf Schiffen: Beliebte Tätigkeit für brasilianische Kinder in Salvadors Hafen

Spielen mit/auf/unter Schiffen: Beliebte Tätigkeit für brasilianische Kinder in Salvadors Hafen

Ein ziemlicher Schuss in den Ofen also. Wir verließen den Bus in der Nähe des Leuchtturms, wanderten den Strand entlang und diskutierten über den Nutzwert von Touristenführern. Sowohl gedruckt als auch in Personenform hinterließen sie bei uns keinen besonders positiven Eindruck. 

Er brachte uns die Erleuchtung, dass Faulenzen auch mal 'ne gute Sache sein könnte: Leuchtturm an der Barra

Er brachte uns die Erleuchtung, dass Faulenzen auch mal 'ne gute Sache sein könnte: Leuchtturm an der Barra

Gute Vorsätze

Wir nahmen uns vor, den nächsten Tag (was bereits der letzte war, denn danach würde es nach Fóz do Iguaçu weitergehen) mit etwas zu verbringen, wofür man keinerlei Geleit brauchte: Sonnen, faulenzen und entspannen. Am Abend begannen wir gleich damit, uns auf diese anstrengende Tätigkeit am nächsten Tag einzustimmen, und blieben zum Essen im Hotel, nachdem wir von unserem Zimmer aus einen wunderschönen Sonnenuntergang erlebt hatten.

Sonnenuntergang über der Bucht der Avenida Océanica

Sonnenuntergang über der Bucht der Avenida Oceanica

Das Dinner schien sich zunächst zu einem ähnlichen Flop zu entwickeln wie die Stadtbesichtigung, denn das Restaurant war wegen Besuchermangel geschlossen. Nur die Snackbar war offen. Doch ein sehnsüchtiger Dackelblick in Richtung des einzigen anwesenden Kellners und Ninas tiefer Ausschnitt reichten ihm für die Entscheidung, den hoteleigenen Ort der Gaumenfreude für uns zu öffnen. Ein Glück, denn dort erfreuten wir uns neben einer wirklich exzellenten Moqueca mista (ein Fischgericht aus Garnelen, Tintenfisch und anderen ehemaligen Meeresbewohnern, das mit Kokosmilch und rotem Palmfett gekocht wird) an einem steinalten, aber erstaunlich günstigen Wein und einer himmlischen Creme de Papaia. Da das Hotel in der schwierigen Nebensaison finanziell wahrscheinlich ohnehin auf keinen grünen Zweig kommen würde, erließ uns der Kellner auch noch das dazu gereichte Wasser und Brot sowie einen der beiden Nachtische. Sehr zufrieden kullerten wir in Richtung Hotelzimmer. Die hässlichen Seiten Salvadors waren längst vergessen, als wir in freudiger Erwartung auf einen echt faulen nächsten Tag einschliefen. Man kann ja nicht immer nur Ku….zzzzzzzzz.

Eine Antwort

  1. […] 12. März […]

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