Flattr: Eine Perspektive für Paid Content?

Am Anfang steht immer ein neuer, ultracooler Name. Kurz und einprägsam soll er sein und möglichst webzwonullig soll er klingen. Twitter und Blogger gibt es in der Internet-Zeitrechnung schon seit einer halben Ewigkeit, nun will noch ein weiterer Dienst mit der „r“-Endung ganz groß rauskommen: Flattr [ung.: Flädder] heißt das neue Projekt von Peter Sunde – ein „Kunst“-Wort, zusammengesetzt aus to flatter (schmeicheln) und Flatrate (daher ist das „e“ vor dem „r“ mitnichten ein Opfer einer radikalen Kürzungsmaßnahme) -, mit dem der nicht ganz unbekannte 31jährige (dazu unten mehr) mal ganz nebenbei Micropayment und Paid Content revolutionieren will. Praktisch ist der Name Flattr auch deshalb, weil man ihn ganz leicht verbalisieren kann: Neben „twittern“ könnten wir dann in Zukunft auch nach Belieben „flattern“.

Wie soll das funktionieren?

Genug der Deutschstunde. Warum sollten wir das überhaupt tun – flattern? Was ist Flattr überhaupt? Und wie funktioniert der Dienst?

Das Prinzip ist einfach: Content-Produzenten wie Blogger, Fotografen oder auch Medienunternehmen publizieren Inhalte, zum Beispiel Artikel, Fotos oder Videos. Mit Flattr können sie unterhalb ihres publizierten Inhalts einen „Flattr-Button“ einbauen. Klickt ein Rezipient auf diesen, so registriert das Flattr-System den Klick und zahlt dem Content-Produzenten am Ende des Monats einen gewissen Betrag. Wie hoch dieser ist, hängt davon ab, wie hoch der Rezipient sein individuelles monatliches Budget gesetzt hat und wie viele weitere Flattr-Buttons er in dem Abrechnungszeitraum angeklickt hat. Ein Beispiel: Nehmen wir an, unter diesem Blog-Eintrag befände sich der erwähnte Flattr-Button. Nun findet sich tatsächlich jemand, dem dieser Artikel hier gefällt, der bei Flattr angemeldet ist und der nun auf den Flattr-Button unter meinem Artikel klickt. Dieser altruistische Rezipient hat sich weiterhin ein monatliches Budget von zehn Euro gesetzt. Am Ende des Monats hat er neben meinem Artikel  noch vier weitere, über das Netz verstreute Inhalte angeklickt. Somit bekomme ich am Ende des Monats… rechne, rechne…. genau zwei Euro. Halt – wirklich zwei Euro? Nun, an der Rechnung gibt’s prinzipiell nichts auszusetzen, doch irgendwie will sich der Flattr-Dienst ja auch finanzieren. Daher werde ich wohl nicht um genau zwei Euro reicher werden, eher landen 1,80 Euro auf meinem Konto – geplant ist nämlich, dass Flattr zehn Prozent des „gespendeten“ Betrags einbehält. Peter Sunde erklärt das Flattr-Prinzip auf Flattr.com recht anschaulich. So, wie wir Freunden gerne ein Stück Kuchen schenken, um ihnen zu zeigen, was sie uns wert sind (oder weil der Kuchen furchtbar schmeckt und wir ihn nicht alleine essen wollen), so könnten wir uns bei Content-Produzenten, die durch ihre Publikationen einen Wert für uns schaffen, mit einem kleinen Geldbetrag bedanken.

Das Problem dabei: Ein Kuchen muss immer vollständig verteilt werden, sonst wird er schlecht und wandert in den Müll. Geld wird dagegen nicht schlecht. Vielmehr freut man sich gewöhnlich, wenn am Ende des Monats noch ein wenig davon übrig ist. Bei Flattr wird jedoch das gesamte, selbst gesetzte Monatsbudget – bleiben wir bei den zehn Euro – immer vollständig verteilt. Gibt es also zu wenige Seiten mit Flattr-Button oder gefallen mir innerhalb eines Monats nur wenige Artikel, so fließt den Urhebern ein Betrag zu, der eigentlich oberhalb meiner Zahlungsbereitschaft liegt. Meine zehn Euro sind am Ende des Monats auf jeden Fall immer futsch. Flattr spart nicht.

Kann das funktionieren?

Abgesehen von dieser Problematik, kann ein Prinzip wie Flattr grundsätzlich funktionieren? Wie steht es um die berüchtigten Gratis-Mentalität der Internetnutzer, die von verschiedenen Studien immer wieder als Quasi-Credo heraufbeschworen wird? Warum sollte ich die zehn Euro, die ich auf mein Flattr-Konto auflade, nicht alternativ in eine mobile Datenflatrate, einen Ultra-Eisbecher oder einen Strauß Blumen für meine Freundin investieren?

Ähnliche Fragen stellen sich, wenn wir vor der Entscheidung stehen, eine Spende – beispielsweise für Wikipedia – zu leisten. Der Online-Enzyklopädie, ohne die für viele von uns das Leben deutlich unkomfortabler wäre, sind im Verlauf der vergangenen Spendenaktion acht Millionen Dollar zugeflossen (um genau zu sein, sind sie der Wikimedia Stiftung zugeflossen). Und Google hat kürzlich noch einmal zwei Millionen draufgelegt. Geld ist für die Wikipedia mehr als nur die Sicherung ihres Fortbestandes. Es dient auch als Bestätigung für viele Tausend freiwillige Wiki-Redakteure, dass sie das Richtige tun, es ist eine Honorierung ihrer Leistungen (auch wenn sie von dem Geld nie einen Cent in die eigene Tasche stecken können). Das Flattr-Prinzip ist ein ähnliches: Auch hier honorieren Rezipienten den Content-Produzenten, indem sie ihm mehr als ein (für das Selbstwertgefühl sicherlich ebenfalls wichtiges) „Dankeschön“ in den Kommentaren hinterlassen. Mit jeder Flattr-Spende ermutigen sie den Produzenten, weiterzuarbeiten. Im Gegensatz zu einer Spendenaktion beschränkt sich Flattr dabei jedoch auf keinen festgelegten Spendenzeitraum.

Das Prinzip könnte also funktionieren. Essentiell ist, dass der zu honorierende Inhalt für den Nutzer einen erkenntlichen Mehrwert aufweist. Dann dürfte er auch bereit sein, sich materiell erkenntlich zu zeigen. Diese Bereitschaft wächst vermutlich, wenn sich die jeweiligen Spende-Beträge im Bereich der Mikro-Transaktionen respektive in Cent-Beträgen bewegen – iTunes zeigt hier den Weg. Persönlich empfinde ich bei vielen guten Artikeln im Netz das Bedürfnis, mich zu bedanken. Für gute Produkte bin ich bereit, zu zahlen. Würde Google von heute auf morgen monatlich fünf Euro für Google Mail, Chrome, usw. verlangen, würde ich sie ohne Zögern bezahlen – einfach, weil mir diese und weitere Dienste einen echten Mehrwert bieten. Auch für bestimmte Artikel des Medieninformationsdienstes Turi2 würde ich ein paar Cent hinlangen, bietet mir die Site doch den Mehrwert „Orientierung“ im Online-Informationsdschungel.

Paid Content reloaded?

Für Zeitungsportale und für viele andere Online-Medien eröffnen sich mit unkomplizierten Bezahllösungen wie Flattr somit vollkommen neue Möglichkeiten der Qualitätskontrolle. Funktioniert das System, so besteht die Chance, dass sich guter Journalismus wieder lohnt: Nur wenige Rezipienten werden bereit sein, auf den Flattr-Button unter einer massenhaft verbreiteten Pressemitteilung oder unter einem mit grammatikalischen und orthographischen Fehlern durchsetzten Artikel zu klicken (mal hoffen, dass ich mich mit letzterer Aussage nicht zu weit aus dem Fenster lehne…). Dagegen könnten ehemals belächelte Ressorts und Themen ihre Nischenzielgruppe finden, die bereit ist, für derartige Inhalte zu zahlen. Diese – womöglich zahlungskräftige – Rezipienten verteilen ihr Monatsbudget gegebenenfalls nur auf wenige Klicks, so dass dem einzelnen Artikel ein vergleichsweise hoher Betrag zufließen könnte.

Ein steiniger Weg?

Wichtig ist, dass Flattr als Dienstleistung so unkompliziert wie möglich gehalten wird, sowohl aus der Perspektive der Rezipienten als auch der Produzenten. Ein Klick auf den „Flattr-Button“ am Ende eines Artikels muss genügen, um eine Transaktion auszulösen. Dies sollte in Zeiten von vernetzten Nutzerkonten keine größere Herausforderung darstellen. Ebenfalls wichtig ist natürlich, dass Content-Produzenten die Flattr-Funktionalität problemlos und komfortabel in ihr Web-Angebot integrieren können.

Flattr steht allerdings auch vor gewaltigen Problemen. Kann ein solches Angebot genügend Reichweite aufbauen, um es im großen Stil zu vermarkten? Wie viele Rezipienten werden bereit sein, den Umweg über die Flattr-Registrierung in Kauf zu nehmen, um sich bei Content-Produzenten zu bedanken? Flattr muss die Bequemlichkeit der Nutzer überwinden. Die sehen nämlich womöglich erst einmal keinen Mehrwert darin, sich für den Dienst anzumelden, ihre Kontodaten preiszugeben und monatliche Zahlungen einzurichten. Das kostet Zeit. Um die Nutzer davon zu überzeugen, dass sich der Aufwand lohnt, muss Flattr massiv kommunizieren und – vor allem – Vertrauen schaffen. Der Dienst darf keine Zweifel daran lassen, dass der Großteil des gespendeten Betrags dem Content-Produzenten zugute kommt und nicht etwa in der digitalen Flattr-Tasche landet. Dass der Gründer von Flattr ein Mitgründer der Tauschplattform The Pirate Bay ist, dürfte die Vertrauensentwicklung kaum beschleunigen. Zudem ist die Grundidee von Flattr leicht zu imitieren: Etablierte Bezahlplattformen wie Click & Buy könnten ihr Produktportfolio mit relativ wenig Aufwand um einen „Thank & Pay“-Button erweitern und diesen als neue Funktion vermarkten.

Auf jeden Fall sollte Flattr einige von Jeff Jarvis in „What Would Google Do?“ vorgeschlagene Prinzipien beherzigen. Dazu gehört die Forderung „Get out of the way!“ – sobald sich der Dienst etabliert hat, sollte er möglichst wenig in der Beziehung zwischen Produzent und Rezipient intervenieren. Eine Marke muss sich heute nach einer intensiven Initialkommunikation nicht mehr aggressiv in den Mittelpunkt stellen, um wahrgenommen zu werden. Vielmehr geht es um ein anderes Prinzip, nämlich das der „elegant organization“, also das Versprechen von Dienstleistern, Bedürfnisse, die ohnehin schon existieren, besser zu befriedigen. In diesem Fall wäre das der Wunsch der Nutzer, sich bei Content-Produzenten zu bedanken. Digitale Inhalte sind wertvoll, doch ihre Honorierung ist vergleichsweise kompliziert. Wer würde nach dem Besuch einer öffentlichen Toilette erst einmal zum Bankautomaten rennen, um sich danach bei der Putze bedanken zu können – und dann auch noch mit der Frage: „Können se wechseln“? Die Münzen müssen in der Tasche sein, sonst gehen wir, den Blick nach unten gerichtet, an den tadelnden Augen der Putze vorbei in die Freiheit.

Sich bei Content-Produzenten zu bedanken könnte zukünftig einfacher werden. Das große Flattern um Flattr hat begonnen.

Mein Freund Google?!

Es ist ja schon recht interessant, dass eine Suchmaschine zum universellen Lebensratgeber werden kann. Im Fall von Google wird dies besonders deutlich: Schon seit Längerem werden hier unterhalb des Eingabefeldes Suchvorschläge angezeigt. Das kann – nicht nur – für die etwas passiveren Zeitgenossen, die sich gerne an den Entscheidungen anderer orientieren, wirklich nützlich sein. Auch erspart diese Möglichkeit häufig wertvolle Tippzeit. Und nicht zuletzt lassen sich damit – zuweilen interessante, doch viel häufiger kuriose – Trends & Themen identifizieren, die Menschen anscheinend wirklich interessieren. Hier mal ein Ausschnitt:

Kuriose Google-Empfehlungen

Kuriose Google-Empfehlungen

Es ist mir schleierhaft, was Google dazu veranlasst, gerade die Frage nach der optimalen Beschaffenheit des männlichen Intimbereichs ganz nach oben zu stellen. Vielleicht wird Google von unverhältnismäßig vielen trikottragende Bikern genutzt – oder man(n) will auch auf den uns drohenden Nacktscanner-Bildern einen „reinen“ Eindruck machen. Wie dem auch sei – es ist ziemlich lustig.

Die Tatsache, dass 30% der Suchvorschläge die Schweinegrippe thematisieren impliziert, dass sie auf aktuellen (oder nicht allzu weit zurückliegenden) Suchtrends basieren. Interessant ist auch, dass weitere vier Vorschläge das Thema nicht mehr allzu lang währende Beziehungen betreffen.  Google weiß alles, sagt aber (hoffentlich) nichts weiter. Bedenklich dagegen, dass sich auch die Frage „soll ich mich umbringen“ einen Platz in den Top10-Empfehlungen gesichert hat.

Die „Soll ich jetzt den Knaller zünden“-Empfehlung hat bei mir ebenfalls erst einmal nur ein großes Fragezeichen über dem Kopf erzeugt. Nach ein wenig Recherche stellte sich heraus, dass diese Frage ursprünglich am Ende des Ärzte-Liedes „Angeber“ gestellt wurde. Nun scheint sich darum eine eigene kleine YouTube-Kultur entwickelt zu haben.

Ich bin mir sicher, dass man hier noch wunderbar weiter analysieren und mutmaßen könnte. Da ich dieses Suchvorschläge-Bild aber eigentlich nur bei Facebook posten wollte, ist nun schon mehr herausgekommen als ursprünglich geplant war. Auf jeden Fall werde ich Google jetzt mal öfters Fragen stellen – und mich für die Tatsache sensibilisieren, dass man nicht immer das erstbeste Ergebnis nehmen sollte….

Chrom(e)atisch

Google Chrome

Google Chrome

Seit kurzem ist die erste Nicht-Beta-Version von Google Chrome verfügbar. Nachdem der Internet Explorer eine zweimonatige Chance vergab, sich nach einer Neuinstallation von Windows 7 auf meinem Computer zu bewähren, fliegt der Microsoft-Browser nun ohne ein Gefühl der Reue in die Tonne.  Zu viele „Internet Explorer funktioniert nicht mehr“-Meldungen und zu viel erfolgloses Suchen „nach einer Lösung“ hat mir verdeutlicht, dass man jene eben zuweilen manuell finden muss.

Chrome läuft jetzt seit einem Monat als mein Standard-Browser und ich habe noch keine nennenswerten Schwächen entdeckt. Mit der neuen Version 4.irgendwas ist Chrome beliebig erweiterbar – ein Feature, bei dem der Firefox bislang die Nase vorn hatte. Mit den Chrome-Erweiterungen kann ich zum Beispiel Facebook-Aktivitäten verfolgen, ohne die aktuelle Seite wechseln zu müssen – ein Klick auf den kleinen Facebook-Button neben der Adressleiste genügt. Auch gibt es eine Erweiterung, die Chrome wieder ein bisschen zum Internet Explorer macht – grausige Vorstellung, aber manche Websites (vorzugsweise die von Microsoft) sind nun mal für den „Funktioniert-nicht-mehr“-Browser optimiert und würden ansonsten unter Chrome fehlerhaft angezeigt werden.

Google schafft mit Chrome zudem etwas, woran die anderen Browserhersteller vermutlich nicht im Entferntesten denken: Google emotionalisiert sein Produkt. Erst heute bin ich auf die originelle Idee gestoßen, dass man Chrome verschenken kann. Hübsch eingepackt in verschiedene Designer-Verpackungen hüpft das dreidimensionale Browser-Logo dem Beschenkten dann entgegen, inklusive eines persönlichen Grußes. Ich find’s niedlich. Nun mag man an dem Nutzen zweifeln, ein ohnehin kostenloses Produkt zu verschenken. Doch neben einer ohne Zweifel dafür ansprechbaren studentischen Zielgruppe finden sich bestimmt auch andere Menschen, für die eine solche Aktion der Auslöser für einen Browserwechsel ist. Aus werbepsychologischer Sicht ist die Emotionalisierung ein kleiner Vorteil, den sich Chrome in der User-Wahrnehmung schafft.  Weiter so!

(Nein, ich werde weder von Google hierfür bezahlt, noch liegt mein Enthusiasmus daran, dass ich gegebenenfalls momentan eine besondere Affinität zu dem Unternehmen habe.)

Update: Twitter dir einen

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© twitter.com

Ausgezwitschert?

So, nach knapp zwei Wochen Twitter-Erfahrung wird’s mal Zeit für einen kurzen Zwischenbericht. Dieser fällt eher nüchtern aus, denn der Twitter-Hype hat mich nicht gepackt. Woran das liegt? Nun, zuerst einmal daran, dass ich es oftmals schlichtweg vergessen habe, eine neue Statusmeldung einzutippen oder die Page überhaupt aufzurufen. Das mag einige meiner universitären Lehrkräfte in Entzücken versetzt haben, stand doch zuweilen tagelang auf meiner Twitter-Page, dass ich mich intensivst mit Mediencontrolling beschäftigen würde… mir jedoch fiel es selbst dann schwer, auf die eigentlich recht simple Frage „What are you doing“ zu antworten, wenn ich denn mal auf Twitter eingeloggt war. Unheilvolle Gedanken erfüllten dann meinen Geist: War mein Leben etwa zu ereignislos? Warum saß ich eigentlich herum während all diejenigen, denen ich virtuell folgte, irgendetwas Spannendes machten – zum Beispiel Herr Schäfer-Gümbel, der (noch vor seiner Niederlage)  politisch bedeutsame Ereignisse wie seinen Heringsessen-Marathon über Twitter dokumentierte. Da konnte ich nicht mithalten. Studentenalltag versus Zeitgeschichte, da musste es zwangsläufig einen Verlierer geben.

Social-Overflow

Das mag pathetisch klingen, aber es verdeutlicht einen Grundgedanken, warum ich Twitter als sinnloses Tool mit unausgeschöpftem Potenzial ansehe: Ich glaube einfach nicht, dass sich andere dafür interessieren, wenn ich zur Uni gehe, mir was hinter die Kauleiste schiebe oder im Wald herumlaufe. Und selbst wenn es jemanden interessieren würde, merkte ich zunehmend, dass ich all dies ganz gerne für mich behalte. Ganz abgesehen davon ist mir ein normaler Wochentag schlichtweg zu kurz, um mich regelmäßig um Facebook, StudiVZ, Xing, Qype, meinen Blog (jaja), Outlook und dann auch noch um Twitter zu kümmern.  Ich zölle denjenigen Respekt, die das schaffen, aber ich werde mich in Zukunft auf einige wenige Sooocial Tools konzentrieren müssen – sonst übermannt mich der garstige Entscheidungs-Overkill und am Ende sitze ich nur noch lethargisch in der Gegend herum. Es ist wirklich paradox, aber (zumindest gilt das für mich) bei je mehr Kommunikationsdiensten ich angemeldet bin, umso häufiger greife ich auf das klassische, altbewährte und früher von mir verhasste Telefon zurück. Ist das das Alter oder ist das Resignation?! Ich hab‘ zu viele Medien, holt mich hier raus.

Vielerorts wird Twitter bereits als unabdingbares Kommunikationsmittel für „alte“ Medien in einer „neuen“ Welt angesehen. Ob dabei die Touchfühlung mit den Rezipienten oder ein simpler PR-Kanal im Vordergrund steht, das ist noch unklar. Für mich bedeutet der Dienst kein neues richtungsweisendes Kommunikationsmittel. Ich mir kaum vorstellen, dass sich aus einem Unternehmen Online-Spielzeug, das mit doch recht kitschigen Wortfeldern wie „Tweets“, „zwitschern“, „Vögel“, etc. besetzt ist, ein seriöses Geschäftsmodell entwickeln soll.

Zwei Wochen Twitter reichen mir fürs Erste. Doch wer weiß, was in den nächsten zwei Wochen passiert. Digital verfasste Meinungen sind manchmal noch deutlich kurzlebiger als so manche Internet-Startups. Vielleicht schau‘ ich ja doch nochmal rein, wo ich gerade dabei bin….

Qype

Qpye-Logo

Qpye-Logo

Hej – ich hab‘ echt versucht, meinen Blog auf dem Laufenden zu halten, aber wie so oft bin ich schlichtweg daran gescheitert, dass der Tag nur 24 Stunden hat und ich mein latentes Schlafbedürfnis einfach nicht unterdrücken kann. Heute hatte ich aber ’ne neue Idee, wie man meinen virtuellen Ego-Trip retten kann: Mit Qype! Immerhin profitiere ich häufig genug von den Empfehlungen anderer Kneiper und daher wurde es mit der Zeit quasi obligatorisch, dass ich der Community etwas zurückgebe – in geballter schriftlicher Form und momentan noch mit einer enormen Ausdauer. Ob das positiv ist oder nicht, mag jeder selbst beurteilen, denn meine Qype-Beiträge werden auch automatisch in meinen Blog gepostet, sodass sich die Reichweite meines geistigen Nonsens um mindestens zwei Personen vergrößert.

Stay sharp 🙂

Shrek-liche Verführung

(c) Universal Pictures InternationalManchmal kommt es einem so vor, als sei die deutsche Werbewirtschaft ein kleines, ungebändigtes Kind, das vom Staat erzogen werden muss. Die aktuelle Frage, ob Werbung für dickmachende Fressalien verboten werden sollte, macht da keine Ausnahme.

Väterchen Staat weiß nämlich, dass es sich nicht gehört, arme deutsche Bürger mit fiesen, unterschwelligen und verharmlosenden Werbebotschaften zum Konsum von Produkten zu verführen, die neben einem Genuss- auch einen Sucht- oder Fettfaktor haben könnten. Diese Entwicklung ist nicht wirklich neu. Deshalb wurde zum Beispiel Zigarettenwerbung schon seit längerem aus dem Fernsehen verbannt und der freiheitsliebende Marlboro-Cowboy musste Zuflucht in der Kino-Ranch suchen. Auch diverse Spiritousenhersteller holten sich eine staatliche Rüge ein, nachdem sie den Genuss- und Spaßfaktor ihrer Produkte in den Vordergrund gerückt hatten. Begründung in beiden Fällen? Verführung der Bürger und Verharmlosung der gesundheitsschädlichen Wirkung.

Fette Verbote
Aktuell dreht sich die Werbeverbots-Debatte um die schon erwähnten Dickmacher-Produkte. Immerhin ist in Deutschland fast jeder fünfte Jugendliche zu dick (Quelle: welt.de). Der Grund dafür ist nach Ansicht der in Verbotsfragen allseits geschätzten Europäischen Union nicht etwa in fragwürdigen Erziehungspraktiken der Eltern oder mangelnder Aufklärung durch die Schule zu finden. Nein, der Grund dafür, dass Jugendliche so oft in die Fett-Falle tappen ist groß, grün, hässlich und heißt Shrek. Shrek war eigentlich mal ein lustiger Kerl, der im Kino aufgrund seines brummelig-konfusen Charakters die Sympathie der Zuschauer gewann. Doch dann, offensichtlich benebelt von seinem Leinwand-Erfolg, beging Shrek einen Fehler: Er prostituierte sich für die Werbewirtschaft und stand fortan Pate für fette Burger, überzuckerte Limonaden und sogar für Frühstücksflocken mit dem attraktiven Namen „Oger-Mampf“. Für die Jugendlichen hat Shrek unzweifelhaft Vorbild-Charakter: Wer würde nicht gerne wie ein grünes, garstiges Monster aussehen wenn er einmal groß ist? Wessen Lebensziel könnte es nicht sein, irgendwann eine so wohlgeformte Plautze wie der Sumpf-Oger vor sich herzutragen?

Zweifelhaftes Werbesymbol
Mal ganz ehrlich: Shrek ist gerade der Anti-Held der Dickmach-Industrie. An ihm sieht man eindeutig – trotz eines gewissen Niedlichkeits-Faktors – die Auswirkungen eines übermäßigen Junk-Food-Konsums. Shrek ist dreckig, fett, hässlich und stinkt. Hand aufs Herz: Ist es nicht besser und ehrlicher, mit einem übergewichtigen Oger für ungesunde Dickmacher zu werben als mit der fürsorglichen Mutter, die sich bedenkenlos massenhaft Kinder-Pingui oder Milchschnitten hinter die Kauleiste schiebt? Gedanken machen sollte sich auch die lachende und spindeldürre Köchin, die ihrer Familie eine sahnige Kalorienbombe in Form eines Maggi-Nudelauflaufs serviert.  Mit diesen Werbeformen werden diejenigen erreicht, die im Haushalt größtenteils Kaufentscheidung treffen und ihren Kindern vermitteln, was sie essen dürfen und sollen.
Ohne Zweifel ist Aufklärung in Sachen gesunder Ernährung dringend nötig. Diese sollte jedoch konstruktiv und nicht prohibitiv sein. Ernährungskunde – jedoch bitte keine „Du-darfst-nur-Obst-und-Gemüse-essen-Botschaften – könnte ebenso wie der richtige und kritische Umgang mit Werbebotschaften Teil des Schulunterrichts werden. Shrek-liche und nutzlose Verbote dagegen helfen Niemandem.

Im zweiten Leben wird alles besser…oder?

Ein echter Sunnyboy im zweiten LebenOk, wie schon früher ersichtlich wurde, hänge ich der Zeit manchmal ein wenig hinterher. Somit erreichte mich auch der anschwellende SecondLife-Hype erst vor Kurzem, obwohl mein Lieblingsmagazin mit den oftmals seltsamen Bildunterschriften schon vor einem Monat darüber berichtet hatte.

Wenn also eine Spiegel-Redakteurin mit wenig Mühe ihre ersten Schritte in der virtuellen Welt vollführen kann, so ist dies einem lebensfreudigen Studenten gewiss auch möglich. So dachte nun der arme Tor und war schon bald frustriert wie nie zuvor.

Auch wenn dieser mäßig inszenierte Reim jeden Goethe sofort zu einer vollen 360°-Wendung im Grab inspirieren würde, so trifft er doch den Nagel auf den Kopf. Mag sein, dass Second Life eine wunderbare Welt ist. Mag sein, dass diese Welt unbegrenzte Möglichkeiten bietet und ein jeder bei ihren „Gründungsjahren“ dabei sein sollte. Doch wie, wenn die Technik nicht mitspielt?! Mir ist es ein absolutes Rätsel, wie ich mich mit meinem virtuellen Avatar identifizieren soll, wenn mein „Marc Hennesy“ herumkrückt und -ruckelt wie ein Raver auf einer Überdosis Designerdrogen. Der Kerl rammt Gebäude, andere Avatare und virtuelle „No Trespassing“-Grenzen wie fanatische Kirmesbesucher andere Boxautos. Dazu beglückt mich das Spiel im Viertelstunden-Takt mit netten Meldungen wie „It seems that Second-Life has crashed!“ Soso, es scheint also der Fall zu sein, dass das Programm abgestürzt ist. Danke für den Hinweis, allein der flimmernde Bildschirm und der anschließende Windows-Bluescreen hätten diese Annahme in mir wohl nicht aufkeimen lassen.

Vielleicht bin ich zu alt für dieses Spiel, habe zu lange Zeit technische Entwicklungen versäumt. Vielleicht ist auch meine Hardware zu alt obwohl ich sie erst vor einem halben Jahr gekauft habe. Vielleicht hänge ich auch einfach zu sehr an meinem „ersten Leben“ als dass ich mich mit irgendwelchen Hampelavataren identifizieren könnte.

Immerhin habe ich eine Sache in Second Life erreicht, die mir in meinem wirklichen Leben noch nie passiert ist: Nachdem ich mich ein paar Male in die Luft erhoben hatte und auf dem Kopf eines kiffenden Absolut-Wodka-trinkenden Schweden gelandet war, nannte mich dieser einen „big-gay-fucking-motherfucker“. Wow – danke, Second Life, dass du mir diese Erfahrung gegeben hast.