(K)ein Hundeleben

Platter Hund

Platter Hund

Ich bin bekehrt. Und zwar von dem Glauben, unbedingt einen kleinen, süßen, weißen und vierbeinigen wuffenden Wollknäuel haben zu müssen. Der Grund? Ein kleiner, süßer, weißer und vierbeiniger wuffender Wollknäuel, den ich zwei Wochen lang zu Behütungszwecken zugeteilt bekam. Dieser Hund, obschon kaum größer als ein überdimensionaler Schneehase, fraß mein Nervenkostüm auf wie andere Vierbeiner ein Stück rohes Steak. Letzteres fraß er übrigens nicht. Madame chien ist nämlich Franzose. Und obwohl es die Franzosen gerne blutig mögen, war der Hund bei weitem wählerischer als ich, was die Nahrungsaufnahme betraf. Doch dazu später mehr.

Führerlos verzweifelt

Ein echter Franzose ist patriotistisch. Er liebt seine Sprache, hängt an seinem Land und würde dieses natürlich auch mit seinem Herzblut verteidigen. Zu plakativ? Mag sein, aber es dient nur der folgenden Illustration. Da es dem üblichen französischen Haushund höchstwahrscheinlich an kognitiven Fähigkeiten mangelt, um so etwas wie ein Nationalbewusstsein aufzubauen, wird aus der Vaterlandsliebe eben eine uneingeschränkte Herrchenliebe (um dem drohenden feministischen Aufschrei vorzubeugen: Ja, es gibt auch Frauchenliebe. Da ist man schon „weiter“ als beim Vaterland…). Und was passiert ergo, wenn Herrchen sich einfach mal entschließt, für zwei Wochen abzudampfen? Richtig, der Vierbeiner rennt erst einmal kopf- und führer herrchenlos hin und her, um kurz darauf in eine tiefgreifende und herzerweichende Depression zu verfallen, die ihn in einen akuten Zustand der Teilnahmelosigkeit versetzt. Motivierende Worte konnten ihn vorerst ebensowenig aufmuntern wie eine Extraportion Hunde-Fresschen.

Der Trick mit dem Hundefutter

Hungriger Hund - leider nicht, wenn ihm Hundefutter serviert wird

Hungriger Hund - leider nicht, wenn ihm Hundefutter serviert wird

Zugegeben: Das Zeug würde ich auch nicht anrühren. Allein die olfaktorische Komposition, die denjenigen erwartet, der todesmutig die Futterdosen-Lasche aufreißt, haut ihn aus den Socken. Spätestens, nachdem man dann den Inhalt mit einem geeigneten Utensil aus der Dose geschabt hat (was man am besten effektvoll mit  animalisch klingenden Ekel-Geräuschen untermalt), weiß man, was so mancher Schnellrestaurantkette als Grundlage für „Fleisch“-Pads dient: Farblich und von der Konsistenz her unterscheiden sich beide Produkte nur marginal. Doch damit nicht genug der Probleme, denn nicht nur der Mensch scheint einen natürlichen Ekel vor dem Hunde-Fraß zu haben, sondern auch der gemeine französische Haushund. Der rümpft die Schnauze und verschmäht das ihm angebotene Gourmet-Menü, nur um sich Sekunden später vor dem Kühlschrank zu positionieren und diesen sehnsüchtig anzustarren. Spätestens dann frage ich mich, an wem die Hundefutter-Hersteller ihr Produkt testen. Sei’s drum, bekommt der Hund eben eine Scheibe Putenbrust, die natürlich über Eichenholz gegart, geräuchert oder sonst irgendwas wurde und die er sogleich gierig verschlingt.  Und dann passiert das Unfassbare: Gleich im Anschluss macht sich Madame gierig über das vor sich hin müffelnde Hundefutter her und lässt keinen Brocken (soweit man das so nennen kann) übrig. Sie brauchte schlichtweg ein „Amuse-Gueule“. Herrchen verdreht die Augen und versteht die Welt nicht mehr. Aber gut: Mit dieser Methode ließ sich immerhin verhindern, dass der Hund in eine animalische Form der Anorexia nervosa verfiel und sein echtes Herrchen Frauchen als wandelndes vierbeiniges Knochengerüst begrüßen würde.

Die Frage, warum den Hund Einsamkeit im wahrsten Sinne des Wortes ankotzte und warum er manchmal menschlicher war als er aussah, wird demnächst hier beantwortet 🙂

Teil 2

Eine Antwort

  1. […] Teil 1: hier […]

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