Shrek-liche Verführung

(c) Universal Pictures InternationalManchmal kommt es einem so vor, als sei die deutsche Werbewirtschaft ein kleines, ungebändigtes Kind, das vom Staat erzogen werden muss. Die aktuelle Frage, ob Werbung für dickmachende Fressalien verboten werden sollte, macht da keine Ausnahme.

Väterchen Staat weiß nämlich, dass es sich nicht gehört, arme deutsche Bürger mit fiesen, unterschwelligen und verharmlosenden Werbebotschaften zum Konsum von Produkten zu verführen, die neben einem Genuss- auch einen Sucht- oder Fettfaktor haben könnten. Diese Entwicklung ist nicht wirklich neu. Deshalb wurde zum Beispiel Zigarettenwerbung schon seit längerem aus dem Fernsehen verbannt und der freiheitsliebende Marlboro-Cowboy musste Zuflucht in der Kino-Ranch suchen. Auch diverse Spiritousenhersteller holten sich eine staatliche Rüge ein, nachdem sie den Genuss- und Spaßfaktor ihrer Produkte in den Vordergrund gerückt hatten. Begründung in beiden Fällen? Verführung der Bürger und Verharmlosung der gesundheitsschädlichen Wirkung.

Fette Verbote
Aktuell dreht sich die Werbeverbots-Debatte um die schon erwähnten Dickmacher-Produkte. Immerhin ist in Deutschland fast jeder fünfte Jugendliche zu dick (Quelle: welt.de). Der Grund dafür ist nach Ansicht der in Verbotsfragen allseits geschätzten Europäischen Union nicht etwa in fragwürdigen Erziehungspraktiken der Eltern oder mangelnder Aufklärung durch die Schule zu finden. Nein, der Grund dafür, dass Jugendliche so oft in die Fett-Falle tappen ist groß, grün, hässlich und heißt Shrek. Shrek war eigentlich mal ein lustiger Kerl, der im Kino aufgrund seines brummelig-konfusen Charakters die Sympathie der Zuschauer gewann. Doch dann, offensichtlich benebelt von seinem Leinwand-Erfolg, beging Shrek einen Fehler: Er prostituierte sich für die Werbewirtschaft und stand fortan Pate für fette Burger, überzuckerte Limonaden und sogar für Frühstücksflocken mit dem attraktiven Namen „Oger-Mampf“. Für die Jugendlichen hat Shrek unzweifelhaft Vorbild-Charakter: Wer würde nicht gerne wie ein grünes, garstiges Monster aussehen wenn er einmal groß ist? Wessen Lebensziel könnte es nicht sein, irgendwann eine so wohlgeformte Plautze wie der Sumpf-Oger vor sich herzutragen?

Zweifelhaftes Werbesymbol
Mal ganz ehrlich: Shrek ist gerade der Anti-Held der Dickmach-Industrie. An ihm sieht man eindeutig – trotz eines gewissen Niedlichkeits-Faktors – die Auswirkungen eines übermäßigen Junk-Food-Konsums. Shrek ist dreckig, fett, hässlich und stinkt. Hand aufs Herz: Ist es nicht besser und ehrlicher, mit einem übergewichtigen Oger für ungesunde Dickmacher zu werben als mit der fürsorglichen Mutter, die sich bedenkenlos massenhaft Kinder-Pingui oder Milchschnitten hinter die Kauleiste schiebt? Gedanken machen sollte sich auch die lachende und spindeldürre Köchin, die ihrer Familie eine sahnige Kalorienbombe in Form eines Maggi-Nudelauflaufs serviert.  Mit diesen Werbeformen werden diejenigen erreicht, die im Haushalt größtenteils Kaufentscheidung treffen und ihren Kindern vermitteln, was sie essen dürfen und sollen.
Ohne Zweifel ist Aufklärung in Sachen gesunder Ernährung dringend nötig. Diese sollte jedoch konstruktiv und nicht prohibitiv sein. Ernährungskunde – jedoch bitte keine „Du-darfst-nur-Obst-und-Gemüse-essen-Botschaften – könnte ebenso wie der richtige und kritische Umgang mit Werbebotschaften Teil des Schulunterrichts werden. Shrek-liche und nutzlose Verbote dagegen helfen Niemandem.

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