1. Teil: Quo vadis, Quote?

Der Kampf um die QuoteDeutschland ist ein Quotenland. Ohne Ausländerquote geht an den meisten Universitäten nichts mehr. Politiker sorgen sich zunehmend um die wachsende Rentnerquote, Ökonomen sprechen von der Erwerbsquote. Sogar in der Wissenschaft beeinflusst die Zitationsquote die Bedeutung eines Forschers.

Doch ein spezifischer Bereich stellt quotentechnisch alles andere in den Schatten. In dieser Welt, deren König ein Quadrat oder zumindest ein Rechteck ist, regiert die Quote. Ohne gute Quote quakt hier niemand von einem Erfolg. Die Rede ist von Unternehmen, die sich mit so ominösen wie undurchsichtigen Abkürzungen wie AGF, GfK oder auch ARD schmücken. Während die beiden erstgenannten im direkten Zusammenhang mit ein wenig Fantasie noch recht leicht als „Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung“ oder „Gesellschaft für Konsumforschung“ identifiziert werden können, ist für viele bei der ARD Schluss – und das nicht nur aus alterstechnischer Sicht. „Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland“ zelebriert sich der entschlüsselte Name des Senders. Moment mal: Warum dann ARD und nicht AÖD, AÖRD oder gar AÖRRBD? Nun, die schlauen Köpfe hinter der leicht verstaubt anmutenden Senderbezeichnung werden ihre strategischen Gedanken baufest untermauert haben, als sie über eine kurze und aussagekräftige Abkürzung nachdachten. Nicht zuletzt könnten dabei Überlegungen eingeflossen sein, dass das Kernpublikum der ARD aufgrund unvermeidlicher Alterskurzsichtigkeit die Pünkchen über dem Ö nicht hätte entziffern können und es bei Diskussionen über das neueste Musikantenstadl zu Missverständnissen gekommen wäre.
 

Das Diktat der Quote 

Doch der tiefere Sinn dieses Artikels soll nicht sein, leicht polemisch über Abkürzungen und Altersstrukturen zu spekulieren. Wobei die Altersstruktur doch wieder relevant wird: Woher wissen wir überhaupt, dass der durchschnittliche ARD-Zuschauer, sagen wir, gereifter ist als der gemeine RTL-Rezipient? Das Zauberwort hierfür heißt wiederum Quote. Studien und Befragungen zufolge weist die ARD eine höhere Rentnerquote aus als RTL. RTL wiederum verzeichnet eine deutlich höhere abgehängte Proletariatsquote. Penible Medienmenschen würden an dieser Stelle vehement widersprechen: Nicht allein die Quote sei entscheidend, sondern Marktanteil, Sinus-Milieus, Sehdauer und Affinitätsindizes spielten ebenfalls eine Rolle. Derart hochtrabende Begriffe ändern die Tatsachen nicht. Letztlich bestimmt die Quote, ob Bruce bei der ARD bleibt oder ob seine Styling-Show totally abgesetzt wird. Die Quote diktiert Preise für Werbefenster, in denen Maggi, Knorr und tausend andere Unternehmen um die Gunst der nimmersatten Rezipienten werben. Die Quote bestimmt über Leben und Tod im Fernsehgeschäft, über Sein oder Nichtsein von ganzen Sendeformaten. Grund genug anzunehmen, dass gerade diese Quoten auf einer zementierten Datengrundlage basieren. Die Studien und Befragungen, die ARD und RTL eine unterschiedliche Zuschauerstruktur bescheinigen, werden zuverlässig und repräsentativ sein. Doch ist das wirklich so? Quotenquatsch oder Qualitätsversprechen – was zeichnet die Fernsehlandschaft wirklich aus?

Das erfahrt ihr – vielleicht ein klein wenig subjektiv geprägt – im nächsten Beitrag. Hoffen wir, dass das Zeitfenster dazwischen deutlich geringer ausfallen wird, als es zuletzt der Fall war. Immerhin: Mir kann niemand nachsagen, dass ich quotengetrieben bin. Bei durchschnittlich zwei Lesern im Monat kann ich dafür aber auch unbeeinflusst darüber schreiben, was meine Ganglien zurzeit quält.

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