Adrenalin am Morgen

Adrenalin am Morgen!Wer kennt das nicht? Montags ist sowohl der Körper als auch der Geist noch  längst nicht in Arbeitsstimmung. Übermüdet und noch leicht verkatert quält man sich morgens aus dem Bett und bereut die durchzechten Wochenend-Nächte.

Um das Gewissen ein wenig zu beruhigen, nimmt man sich eine einwöchige Abstinenzphase vor; die miese Stimmung ändert sich durch diesen Vorsatz jedoch nicht ansatzweise. Übellaunig schlurft man daraufhin in die Küche und schlürft einen aufmunternden Kaffee. Bis jedoch die Erkenntnis das Hirn erreicht, dass man mal wieder vergessen hat, den Kaffeefilter vom Freitag auszutauschen, erreicht das heiße ranzige Getränk seine aufmunternde Wirkung schon, indem es die Zunge mit hübschen Brandblasen schmückt. Der Tag fängt gut an. Doch alle Morgenmuffel können aufatmen: Es ist noch nicht zu spät, um das Ruder herumzureißen. Es gibt einen Weg, der sowohl Spaß, Spannung und natürlich Schokolade verspricht. Er heißt: Fahrradtour zur Arbeit durch die Berliner Innenstadt. 

Diese Höllentour bietet definitiv mehr Adrenalin als jede Freizeitpark-Achterbahn, mehr Dramatik als alle Hollywood-Schinken zusammen und eine unvergleichbare Erleichterung, wenn man den Arbeitsplatz ohne Knochenbrüche erreicht. Dieser abgefahrene Extremsport vereint alle Disziplinen, an die sich sonst nur absolute Hardcore-Junkies herantrauen. Ob beim Extrem-Slalom durch verwirrte Rentnermassen oder beim Super-Sprint vor errötenden Ampeln: Der Puls ist auf 180, die Augen lassen dem Lid keine Chance zum Zwinkern und das Adrenalin lässt kalten Angstschweiß auf der Stirn ausbrechen. Hochkonzentriert werden vorfahrtsmissachtende Autofahrer mit erhobener Faust beschimpft während gleichzeitig blitzschnell ein Ausweichmanöver eingeleitet wird. Die Zunge, noch vor einigen Minuten ein völlig überhitztes Objekt, hängt aus dem Mundwinkel heraus und genießt den Fahrtwind. Noch ein paar schnarchende Fahrrad-Zombies überholt, die die tiefgründige Intention unserer Terror-Tour niemals verstehen werden und schon ist man angekommen.

So weit die Theorie eines erfolgreichen Wochenstarts. Vereinfachend wurden störende Faktoren wie übles Wetter, Bürokleidung, die sich in der Fahrradkette verheddert und Kollegen, deren Wochenstart durch den eigenen üblen Schweißgeruch gründlich vermiest wird aus unserer Modellwelt entnommen. Das schadet dem Entwurf jedoch gar nicht – die wenigsten Theorien lassen sich 1:1 auf die Realität übertragen. Und wer genau liest, wird ohnehin den Fehler finden, der die Traumblase der gesammelten Überlegungen platzen lässt:
Es gab nämlich keine Schokolade.

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