Geschafft…

Juhu - die erste Diplomklausur wäre geschafft. Nolens volens und mit sinkendem Grenzertrag aber hohen First Copy Costs. Am Donnerstag der Wahrheit fühlte ich mich wie zu alten BWLer-Grundstudiumzeiten: Zitternd und mit weichen Knien. Soviel anders war die Klausur dann auch gar nicht. Na gut - wir saßen in gepolsterten Sesseln und waren lediglich zehn statt tausend Studenten, aber der Klausurinhalt ähnelte den ehrwürdigen Grundstudiumsklausuren erschreckend: Zu viele Aufgaben, zu wenig Zeit und extrem seltsame Fragestellungen. Egal, geschafft ist geschafft, mal gucken hier, was bei ‘rauskommt. Vielleicht komme ich ja jetzt wieder einmal öfter dazu, die Besuchermassen auf meinem Blog mit Informationen zu versorgen ;-)

Zornige Leidenschaft - Pasta all’arrabbiata

Spaghetti all’arrabbiataDas Wunderbare an der italienischen Küche ist, dass man schon mit recht günstigen Zutaten und wenig Zeitaufwand richtig leckere Gerichte zaubern kann. Zudem können diese beliebig variiert werden, was sie dann nicht unbedingt italienischer, aber meiner Meinung nach in vielen Fällen noch besser macht. Hier ein Rezept mit Variation für Pasta all’arrabbiata - Nudeln nach zorniger oder besser noch leidenschaftlicher Art. [zum Rezept]

Shrek-liche Verführung

(c) Universal Pictures InternationalManchmal kommt es einem so vor, als sei die deutsche Werbewirtschaft ein kleines, ungebändigtes Kind, das vom Staat erzogen werden muss. Die aktuelle Frage, ob Werbung für dickmachende Fressalien verboten werden sollte, macht da keine Ausnahme.

Väterchen Staat weiß nämlich, dass es sich nicht gehört, arme deutsche Bürger mit fiesen, unterschwelligen und verharmlosenden Werbebotschaften zum Konsum von Produkten zu verführen, die neben einem Genuss- auch einen Sucht- oder Fettfaktor haben könnten. Diese Entwicklung ist nicht wirklich neu. Deshalb wurde zum Beispiel Zigarettenwerbung schon seit längerem aus dem Fernsehen verbannt und der freiheitsliebende Marlboro-Cowboy musste Zuflucht in der Kino-Ranch suchen. Auch diverse Spiritousenhersteller holten sich eine staatliche Rüge ein, nachdem sie den Genuss- und Spaßfaktor ihrer Produkte in den Vordergrund gerückt hatten. Begründung in beiden Fällen? Verführung der Bürger und Verharmlosung der gesundheitsschädlichen Wirkung.

Fette Verbote 

Aktuell dreht sich die Werbeverbots-Debatte um die schon erwähnten Dickmacher-Produkte. Immerhin ist in Deutschland fast jeder fünfte Jugendliche zu dick (Quelle: welt.de). Der Grund dafür ist nach Ansicht der in Verbotsfragen allseits geschätzten Europäischen Union nicht etwa in fragwürdigen Erziehungspraktiken der Eltern oder mangelnder Aufklärung durch die Schule zu finden. Nein, der Grund dafür, dass Jugendliche so oft in die Fett-Falle tappen ist groß, grün, hässlich und heißt Shrek. Shrek war eigentlich mal ein lustiger Kerl, der im Kino aufgrund seines brummelig-konfusen Charakters die Sympathie der Zuschauer gewann. Doch dann, offensichtlich benebelt von seinem Leinwand-Erfolg, beging Shrek einen Fehler: Er prostituierte sich für die Werbewirtschaft und stand fortan Pate für fette Burger, überzuckerte Limonaden und sogar für Frühstücksflocken mit dem attraktiven Namen “Oger-Mampf”. Für die Jugendlichen hat Shrek unzweifelhaft Vorbild-Charakter: Wer würde nicht gerne wie ein grünes, garstiges Monster aussehen wenn er einmal groß ist? Wessen Lebensziel könnte es nicht sein, irgendwann eine so wohlgeformte Plautze wie der Sumpf-Oger vor sich herzutragen?

Zweifelhaftes Werbesymbol

Mal ganz ehrlich: Shrek ist gerade der Anti-Held der Dickmach-Industrie. An ihm sieht man eindeutig die Auswirkungen eines übermäßigen Junk-Food-Konsums. Shrek ist dreckig, fett, hässlich und stinkt. Natürlich wohnt ihm ein gewisser Niedlichkeits-Faktor inne - aber ist es nicht besser, mit einem übergewichtigen Oger für ungesunde Dickmacher zu werben als mit der fürsorglichen Mutter, die sich bedenkenlos massenhaft Kinder PinguiKinder-Pingui oder Milchschnitten hinter die Kauleiste schiebt? Gedanken machen sollte sich auch die lachende und spindeldürre Köchin, die ihrer Familie eine sahnige Kalorienbombe in Form eines Maggi-Nudelauflaufs serviert.  Mit diesen Werbeformen werden diejenigen erreicht, die im Haushalt größtenteils Kaufentscheidung treffen und ihren Kindern vermitteln, was sie essen dürfen und sollen.

Ohne Zweifel ist Aufklärung in Sachen gesunder Ernährung dringend nötig. Diese sollte jedoch konstruktiv und nicht prohibitiv sein. Ernährungskunde - jedoch bitte keine “Du-darfst-nur-Obst-und-Gemüse-essen-Botschaften - könnte ebenso wie der richtige und kritische Umgang mit Werbebotschaften Teil des Schulunterrichts werden. Shrek-liche und nutzlose Verbote dagegen helfen Niemandem.

Spaghetti Carbonara

Spaghetti CarbonaraAmore Italiano - oder so ähnlich. Diese Pasta landet fix auf denTellern und ist ebenso schnell wieder verschwunden - weil man von der herrlichen Kombination aus würzigem Speck und leckerem Käse einfach nicht genug bekommen kann. Ganz davon abgesehen, dass sich die Spaghetti mit der wunderbaren Eier-Käse-Mischung ganz vorzüglich verbinden. [zum Rezept...]

Physikalische Meisterleistung

Ohne Fleiß kein PreisSie leben, um zu lernen und lernen, um irgendwann einmal wieder zu leben. Nina ist Medizinstudentin. Medizinstudenten sind beiliebe nicht zu beneiden. Ihr Studium zählt definitiv mit zu dem Härtesten, was eine Universität zu bieten hat. 

Professoren und Prüfer wissen, warum sie dem zweiten Staatsexamen den offiziellen Titel “Hammerexamen” verliehen haben. Hier werden Studenten mit Wissenslücken gnadenlos geplättet. Doch so weit denkt Nina noch gar nicht. Tagein und tagaus sitzt sie vor ihren Büchern und lernt, was ein Oligodendrozyt, eine Radiusfraktur oder ein Rosenthal-Effekt ist. Grundlagenwissen, wenn sie das Physikum bestehen will. So heißt der erste Abschnitt der ärztlichen Prüfung, dessen erfolgreiche Absolvierung den Weg ins Krankenhaus ebnet. Man sollte meinen, dass es nicht besonders erstrebenswert ist, diese Prüfung zu bestehen. Nun, Medizinstudenten - daran muss man sich gewöhnen - ticken ein wenig anders. Ihr Ziel ist die Klinik. Auch Nina freut sich aufs Krankenhaus. Sie freut sich so sehr darauf, dass sie bereitwillig jeden Tag durchschnittlich zehn Stunden Multiple Choice-Fragen kreuzelt. Langweilig wird ihr dabei nicht, immerhin wollen bis zum Physikum tausende Fragen richtig beantwortet werden.

Nach fünf Wochen intensivster Lern- und Kreuzelzeit steht der Tag der großen Prüfung an.  Seit langem ist der Medizinstudent dann das erste Mal wieder unter Menschen - sofern man Mediziner überhaupt als solche bezeichnen kann. So mancher Physikumskandidat erschrickt, wenn er seine Kommilitonen vom vergangenen Semester erblickt: Viele haben während der Vorbereitungszeit die Notwendigkeit der Nahrungsaufnahme unterschätzt und wandeln nun als lebende Anatomieuntersuchungsobjekte über den Campus. Andere - vermutlich durch ausbleibenden Lernerfolg - frustrierte Studenten suchten ihren Trost während der Lernphase im übermäßig gesteigerten Konsum von allem Verzehrfähigen. Gemeinsam mit Skeletten und Flummibällen geht auch Nina ihrem Prüfungsschicksal entgegen. Zweifel plagen sie: Ob sie wohl genug gelernt hat? Warum sehen alle anderen Studenten so aus, als ob sie mehr gepaukt hätten? Immerhin scheinen einige Kandidaten ihr komplettes Leben aufgegeben zu haben, damit sie sich für die Prüfung vorbereiten konnten. Trotz der Bedenken geht Nina die Prüfung an und kreuzt an zwei Tagen insgesamt acht Stunden lang gemeine, sugestive und unmögliche Fragen. Den Prüfungserfolg oder -misserfolg können die Studenten unmittelbar im Anschluss online überprüfen. Dort werten Mediziner das aktuelle Physikum aus und stellen vorläufige Lösungen auf die Homepage.  Was für Menschen müssen das sein, die nach bestandenem Multiple Choice-Horror freiwillig weiterhin Physika kreuzeln? Wohl auch eine Eigenart von Medizinern. Nicht wenige Kandidaten werden in diesen Tagen frustriert feststellen, dass sie die Prüfung - zumindest den schriftlichen Teil - nicht bestanden haben. Nina gehört nicht zu ihnen.

Wer Medizin studiert, benötigt eine ordentliche Portion Leidenschaft zum Fach, um die Strapazen durchzustehen. Von ständiger Lernbereitschaft während des Semesters bis zur völligen Selbstaufgabe in der Prüfungsvorbereitung wird dem Medizinstudent alles abverlangt. Das muss Spuren hinterlassen. Ist es also bedenklich, dass wir Normalsterbliche uns von Menschen behandeln lassen, denen während ihres Studiums jegliche Menschlichkeit abgesprochen wurde? Oder sollten wir uns einfach ehrfurchtsvoll vor diesen Medizinern verneigen und ihren eisernen Durchhaltewillen bewundern?

Auch wenn Nina nur den ersten Teil ihrer ersten wichtigen Prüfung erfolgreich absolviert hat, steht meine Antwort bereits fest: Um’s Martyrium vorm Physikum kommt der Mediziner nicht drum ‘rum. Doch liegt’s an ihm, was er draus macht. Mit Lebenslust und frohem Mut - geht’s am Ende meistens gut :-).

Da tanzt der Pascha - Bombay Curry

Bombay-CurryDie indische Küche verwendet unglaublich viele Gewürze. Während sich ein Wiener Schnitzel mit Salz und Pfeffer zufriedengibt, wird Fleisch in Indien häufig mit Aromen wie Curcuma, Cumin, Coriander und vielem mehr gewürzt. Dadurch entstehen regelrechte Geschmacks- explosionen. Hier macht auch das würzige Curry keine Ausnahme, das durch die leckere Kombination aus vielen Gewürzen, Tomaten und Kokosmilch einfach unwiderstehlich wird. Die Erdnüsse geben dabei den gewissen “Crunchy-Effekt”. [zum Rezept...]

Grenzerweiterung

Vietnamesische Reispapier-Garnelen-RollenAufgrund des immensen Besucheransturms auf meinen Blog (14 Hits, wovon nur 13 meine eigenen waren) habe ich mich entschlossen, ihn thematisch zu erweitern. Bye Bye, Marginalphilosophische Grenzerkenntnisse, die Zeit von Cookst du ist gekommen. Cookst du wird sich neben Medien und Nachrichten auch mit meinen (bzw. unseren) kulinarischen Selbstversuchen beschäftigen. Hierfür lege ich eine eigene Rubrik an, damit sich die Überschneidungen zwischen Bratwurst und Wissensdurst in Grenzen halten. Wer studentische Küche mit Anspruch sucht, wird in der neuen Rubrik fündig. Sowohl mein Schatzl als auch ich können uns einfach nicht mit Tiefkühl- und Fertigkost zufriedengeben. Es macht viel mehr Spaß, mit frischen Zutaten zu experimentieren, gemeinsam in der Küche zu schnippeln und am Ende stolz zu sein auf das, was man kreiert hat. Dabei muss kreative Küche nicht einmal teuer sein. Manchmal gönnen wir uns aber gerne den Luxus und versuchen uns an exquisiten Menüs. Dafür bleibt man dann gerne einmal einen Abend zuhause.

Es tut sich also etwas auf meinem Blog. Schaut einfach öfters einmal vorbei. Sofern ich Zeit habe, werde ich die Rezeptkategorie schon bald zu einer kleinen kulinarischen Datenbank ausgebaut haben. Vielleicht liefert sie euch ja ein paar kreative Inspirationen oder weckt die Lust, etwas nachzukochen…

                                                                                

Für die Füße

Arme Dänen - Fußmatte KögeKrieg der Nordmänner! Kötbullar gegen Faxe. Spiegel Online berichtet am 5. März 2008 von empörten Dänen und dreisten Schweden. Letztere benennen in Filialen ihres Nationalsymbols IKEA nämlich nicht nur Regale nach modischen Männernamen wie Billy. Vielmehr maßen sich die Schweden an, Fußmatten und Billigware nach dänischen Orten zu benennen - so etwa die Fußmatte “Köge”, ein selten hässliches Exemplar, das auch auf dem obigen Bild zu sehen ist. Hochwertige (wo gibt’s denn bei IKEA sowas?) Produkte tragen dagegen schwedische Namen.  Dass sich die Schweden da nicht mit dem falschen Volk anlegen. Denn spätestens seit Otto Waalkes wissen wir, dass mit Dänen nicht zu spaßen ist:

“Sag doch selbst, / was hast du dir eigentlich gedacht? / Du hast gedacht, mit Dänen / kannst du es ja machen? / Sind ja doch nur Dänen! / Du hast geglaubt, du gehörst zudenen, denen Dänen alles durchgehen lassen? / Nein, nein, mein Freund. / Dänen lügen nicht.”

2. Teil: Wer wird Quoten-Millionär?

Wer wird Quotenmillionär?Die GfK. Ein weiteres ominöses Kürzel, hinter dem sich weit mehr verbirgt als nur die trockene Bezeichnung Gesellschaft für Konsumforschung. Die GfK ist nach eigenen Angaben Deutschlands größtes Marktforschungsunternehmen.

Sie kennt Konsumwünsche und Bedürfnisse der deutschen Bürger, versetzt den Einzelhandel mit düsteren Prognosen über das Konsumklima in Angst und Schrecken und bestimmt ganz nebenbei die Struktur des deutschen Fernsehmarkts. Die Gesellschaft für Konsumforschung in Nürnberg weiß nicht nur, warum die dortigen Lebkuchen so beliebt sind, sondern auch, was auf Deutschlands Mattscheiben erfolgreich läuft. ”Wie jetzt”, fragt sich der geneigte Leser zu Recht, “die GfK ist schuld an Verbrechen wie Deutschland sucht den Superstar, Dschungelcamp und Co.?”. Ganz so einfach ist es dann doch nicht. Die GfK überwacht und analysiert im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung ein so genanntes Fernsehpanel. In diesem Panel sitzt laut der GfK ganz Deutschland – reduziert auf knapp 13.000 Personen. Das sind immerhin knapp 0,02% der Gesamtbevölkerung. Genug, um das Fernsehverhalten der deutschen Bürger bei Bedarf minutengenau darzustellen, meint die GfK. Genug auch, um jeden Tag verlässliche Einschaltquoten zu liefern, die Fernsehsendern als Entscheidungshilfe dienen. Doch ist das wirklich so einfach?

Unter ständiger Überwachung

Die Versuchskaninchen im Fernsehpanel der GfK haben es nicht leicht: Jegliche Fernsehaktivität sollen sie mit Hilfe einer speziellen Fernsteuerung dokumentieren. Jeder Senderwechsel, jeder Gang zur Toilette und jedes neue fernsehende Familienmitglied muss mittels Knopfdruck registriert werden. Dazu kommt das ständige Gefühl, dass man irgendwie unter ständiger Beobachtung steht.

Von Amerikanern und Altruismus

Was bewegt die Menschen also dazu, am GfK-Panel teilzunehmen? Ist es eine Form von Machtbedürfnis, die dadurch kompensiert wird, dass man mit einem “Klick” das Fernsehverhalten von 6.000 Menschen darstellt und eventuell einen knapp neun Milliarden Euro schweren Werbemarkt (Quelle: AGF) beeinflussen kann? Wohl kaum, denn bei einer Quote, die zumeist in Millionenwerten mit zwei Nachkommastellen ausgewiesen wird, machen sich individuelle Machtspielchen nicht bemerkbar. Die Quote einer “Wer wird Millionär”-Folge mit 5,4 Millionen Zuschauern wackelt nicht so schnell. Selbst wenn mehr als 15 Panelteilnehmer – die über 90.000 Deutsche repräsentieren - Günther Jauch nicht leiden können und ihm gern die Quote vermiesen würden, hat ihr Zapping kaum Auswirkungen auf die Interpretation der Zuschauerzahl. Finanzielle Anreize findet man bei der Suche nach der Teilnehmermotivation ebenfalls nicht: Der Entschädigungsbetrag, den die Panelteilnehmer erhalten, ist minimal. Schon allein deshalb muss es dem Fernsehpanel an Repräsentativität mangeln: Alle Studenten und Schwaben tangiert der ideelle Wert des Projekts wohl nur peripher, solange keine Münze in der Kasse klingelt. Auch Ausländer sind im Panel unterrepräsentiert. 140 Ausländerhaushalte dürfen Quote machen – aber nur, wenn der Hauptverdiener die Staatsangehörigkeit eines anderen EU-Staates besitzt. 2,8 Millionen (Quelle: Wikipedia) Türken, Amerikaner, Chinesen und viele andere in Deutschland lebende Ausländer müssen also draußen bleiben – eine Zahl, die für eine Vorabendserie als Einschaltquote wohl sehr wünschenswert wäre. Wie steht es um Meinungsführer und Trendsetter? Kaum vorstellbar, dass sie aus purem Altruismus ihre Meinung kundgeben und Einschränkungen ihres hedonistisch geprägten Alltags hinnehmen. Wer beweist, dass Rentner und andere technisch nicht versierte Menschen das GfK-Gerät richtig bedienen und nicht als spacigen Einrichtungsgegenstand betrachten? Was ist mit Opa Herbert, der beim sonntäglichen Tatort wieder vor der Flimmerkiste eingeschlafen ist und es im wahrsten Sinne des Wortes verpennt hat, sich zuvor abzumelden?

Glorreicher Quotensegen

Es ist nicht einfach, dem GfK-Panel mangelnde Repräsentativität zu unterstellen. Schwierig, mühsam und vielleicht sogar aussichtslos ist es, diesen Mangel zu beweisen. Sowohl für die Gesellschaft für Konsumforschung als auch für die Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung steht zu viel auf dem Spiel, als dass sie offenkundige Glaubwürdigkeitsmängel bestehen lassen würden. 20 Millionen Euro legt die AGF für die Pflege und Messung der Daten durch die GfK jährlich hin. Dazu suggerieren etliche externe und interne Gültigkeitsüberprüfungen – so genannte Coincidental Checks – eine hohe Reliabilität und interne sowie externe Validität des Panels. Was genau das bedeutet und wie diese Tests durchgeführt werden, ist Thema des nächsten Beitrags. Ein Gedanke soll bis dahin ein wenig nachdenklich stimmen: Quotenmessung im Fernsehen ist ein Qualitätskiller. Dies ergibt sich sowohl aus der soziodemografischen Struktur der Fernsehzuschauer in Deutschland als auch aus der Tatsache, dass ein Zuschauer, der nebenbei Musikvideos schaut, einen qualitativ gleichwertigen Quotenbeitrag wie ein konzentrierter Nachrichtenseher erzielt. Dank glorreichem Quotensegen dürfen wir uns also voraussichtlich noch lange an Spaßvögeln wie Uri Geller oder Nervensägen wie Dirk Bach erfreuen – Tendenz steigend…

1. Teil: Quo vadis, Quote?

Der Kampf um die QuoteDeutschland ist ein Quotenland. Ohne Ausländerquote geht an den meisten Universitäten nichts mehr. Politiker sorgen sich zunehmend um die wachsende Rentnerquote, Ökonomen sprechen von der Erwerbsquote. Sogar in der Wissenschaft beeinflusst die Zitationsquote die Bedeutung eines Forschers.

Doch ein spezifischer Bereich stellt quotentechnisch alles andere in den Schatten. In dieser Welt, deren König ein Quadrat oder zumindest ein Rechteck ist, regiert die Quote. Ohne gute Quote quakt hier niemand von einem Erfolg. Die Rede ist von Unternehmen, die sich mit so ominösen wie undurchsichtigen Abkürzungen wie AGF, GfK oder auch ARD schmücken. Während die beiden erstgenannten im direkten Zusammenhang mit ein wenig Fantasie noch recht leicht als “Arbeitsgemeinschaft Fernsehforschung” oder “Gesellschaft für Konsumforschung” identifiziert werden können, ist für viele bei der ARD Schluss - und das nicht nur aus alterstechnischer Sicht. “Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland” zelebriert sich der entschlüsselte Name des Senders. Moment mal: Warum dann ARD und nicht AÖD, AÖRD oder gar AÖRRBD? Nun, die schlauen Köpfe hinter der leicht verstaubt anmutenden Senderbezeichnung werden ihre strategischen Gedanken baufest untermauert haben, als sie über eine kurze und aussagekräftige Abkürzung nachdachten. Nicht zuletzt könnten dabei Überlegungen eingeflossen sein, dass das Kernpublikum der ARD aufgrund unvermeidlicher Alterskurzsichtigkeit die Pünkchen über dem Ö nicht hätte entziffern können und es bei Diskussionen über das neueste Musikantenstadl zu Missverständnissen gekommen wäre.
 

Das Diktat der Quote 

Doch der tiefere Sinn dieses Artikels soll nicht sein, leicht polemisch über Abkürzungen und Altersstrukturen zu spekulieren. Wobei die Altersstruktur doch wieder relevant wird: Woher wissen wir überhaupt, dass der durchschnittliche ARD-Zuschauer, sagen wir, gereifter ist als der gemeine RTL-Rezipient? Das Zauberwort hierfür heißt wiederum Quote. Studien und Befragungen zufolge weist die ARD eine höhere Rentnerquote aus als RTL. RTL wiederum verzeichnet eine deutlich höhere abgehängte Proletariatsquote. Penible Medienmenschen würden an dieser Stelle vehement widersprechen: Nicht allein die Quote sei entscheidend, sondern Marktanteil, Sinus-Milieus, Sehdauer und Affinitätsindizes spielten ebenfalls eine Rolle. Derart hochtrabende Begriffe ändern die Tatsachen nicht. Letztlich bestimmt die Quote, ob Bruce bei der ARD bleibt oder ob seine Styling-Show totally abgesetzt wird. Die Quote diktiert Preise für Werbefenster, in denen Maggi, Knorr und tausend andere Unternehmen um die Gunst der nimmersatten Rezipienten werben. Die Quote bestimmt über Leben und Tod im Fernsehgeschäft, über Sein oder Nichtsein von ganzen Sendeformaten. Grund genug anzunehmen, dass gerade diese Quoten auf einer zementierten Datengrundlage basieren. Die Studien und Befragungen, die ARD und RTL eine unterschiedliche Zuschauerstruktur bescheinigen, werden zuverlässig und repräsentativ sein. Doch ist das wirklich so? Quotenquatsch oder Qualitätsversprechen - was zeichnet die Fernsehlandschaft wirklich aus?

Das erfahrt ihr - vielleicht ein klein wenig subjektiv geprägt - im nächsten Beitrag. Hoffen wir, dass das Zeitfenster dazwischen deutlich geringer ausfallen wird, als es zuletzt der Fall war. Immerhin: Mir kann niemand nachsagen, dass ich quotengetrieben bin. Bei durchschnittlich zwei Lesern im Monat kann ich dafür aber auch unbeeinflusst darüber schreiben, was meine Ganglien zurzeit quält.